4.10.2017

Ditze-Hörsaal, Finkenau 35, HAW Hamburg

Alex Chauvel

macht Comic

Alex Chauvel ist Gründungsmitglied des französischen Comicverlages éditions polystyrène.
Nach dem Studium an der Ecole Européenne Supérieure de l'Image in Angoulême zog er nach Berlin,
wo er heute lebt und arbeitet. Mit großem Interesse widmet er sich Projekten, die unter strengen formalen Vorgaben entstehen.
Darüber hinaus ist er fasziniert von alten geografischen Karten, die er häufig als Grundlage für seine Arbeit nutzt.

Interview mit Alex Chauvel

Wann wusstet du, dass du Comiczeichner werden willst?
– Es war irgendwie vom Anfang an da. Meine Mutter weiß auch nicht mehr wann es angefangen hat.

Was inspiriert dich?
– Gerade die Mikrobiologie und die neolithische Zeit.

Wenn du nicht Comics machen würdest, in welchem Bereich wärst du dann tätig?
– Gute Frage. Aber ehrlich gesagt, keine Ahnung. Ich fand immer Biologie spannend. Wahrscheinlich etwas in der Richtung.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?
– Entweder gehe ich zum Atelier und zeichne oder ich bleibe zu Hause und mache Grafikdesign Jobs oder ich muss in der Buchhandlung arbeiten. Meistens eine Mischung.

Wie würdest du deinen Zeichenstil beschreiben?
– Vielleicht „schriftlich“? Eine Bekannte hat mir irgendwann beim Skizzieren in mein kleines Heftchen zugeschaut und gefragt: „Zeichnest du immer so, wie man schreibt, von oben links nach unten rechts?“ Ich hatte das vorher nicht gemerkt aber sie hatte recht.

Wo kannst du am besten neue Energie tanken?
– Im Atelier, es ist ganz schön still und ich habe da kein Internet.

Was macht dir Angst?
– Wasser, wenn ich meine Füße nicht sehe.

Wie oft zeichnest du?
– Sehr unregelmäßig. Manchmal Monate lang nicht und manchmal täglich (wenn ich tägliche Projekte mache).

Ist Zeichnen für dich eher Arbeit oder Spaß?
– Eher Arbeit. Ich habe immer ein bisschen Angst dabei, dass ich es nicht so hinkriege, wie ich will.

Was machst du als erstes, wenn du mit einem neuen Comic beginnst?
– Format und Zeichnungsfläche suchen (mit Bleistift, Lineal und Cutter) bis ich mich „zuhause“ fühle damit.

Hast du deine Charaktere und Bildideen immer direkt im Kopf?
– Wenn es klappt, ja!

Hast du einen bestimmten Tipp für angehende Illustratoren/Comiczeichner?
– Ein Arbeitsraum ohne Facebook zu haben.

Was war das Wertvollste, was du in deinem Studium gelernt hast?
– Die Gefühle von anderen Zeichner/innen in ihren Zeichnungen zu lesen (also einfach zu sehen wann sie Spaß haben und wann nicht). Leider bin ich ein bisschen eingerostet jetzt. Vielleicht sollte ich Kurse geben.

Welches ist dein Lieblingscharakter in Animationsfilmen?
– Dr. Splitz/Splitzy von Captain Simian and the Space Monkeys. Aber ich fürchte, da bin ich voll der Einzige. Diese Serie ist absolut unbekannt.

Welche Animationsfilme/-serien magst du am liebsten?
– Cowboy Bebop und Samurai Champloo

Wenn du ein anderes Wesen wärst, was wärst du und wie würdest du aussehen?
(Antworte gerne mit einer Zeichnung)
– Ich wäre gerne das: Chromodoris Gleniei, eine Meeres-Nacktschnecke, die ich noch schöner als den mega beliebten Glaucus Atlanticus (aka Blue Dragon) finde!

Wer ist dein Lieblingskünstler?
– Fischli/Weiss und Miyazaki

Hast du ein Lebensmotto?
– Ich glaube nicht. Ich bin immer kognitiv langsam, sehe nichts voraus und muss mich dann adaptieren…

Was macht dich glücklich?
– All’ die Kumpels bei Comicfestivals zu sehen.

Wenn du durch die Zeit reisen könntest, in welches Jahr würdest du gerne reisen und warum?
– Ich glaube 2200, einfach um zu sehen ob wir es am Ende doch geschafft haben, schlauer mit dem Klima zu sein.

Was machst du in deiner Freizeit am liebsten?
– Auf dem Bett lesen und auf YouTube rumhängen.

Was für Musik hörst du beim Arbeiten?
– Ambient Musik oder gar nichts.

Ohne was könntest du nicht leben?
– Sauerstoff und tiefgründige Bücher.

Welches ist dein Lieblingsbuch?
– Comics: Nausicaä von Miyazaki (der Manga, nicht der Film) und Romane: Die unsichtbaren Städte von Calvino

Wohin verreist du am liebsten?
– Bei Freunden. Ich bin eigentlich ungern Reisender.

Welche Gabe würdest du gerne besitzen?
– Ich wäre gern schlauer in sozialen Interaktionen (so dass ich komische Situationen vermeiden könnte) oder besser im Small Talk auf deutsch.

Worüber bist du dankbar?
– Schwierig… Dass ich irgendwann echt Glück gehabt habe und zu meinem Comicleben (von einem langweiligen Leben das ich nicht ausgewählt hatte) rutschen konnte.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
– Dass ich 2-3 Comics zeichne, die in meinem Kopf seit Ewigkeiten rumhängen.