26.06.2019

Finkenau - Raum E39

Anders Nilsen

macht Illustration

Anders Nilsen ist ein US-Amerikanischer Illustrator und Kurator, dessen Arbeiten bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Von ihm erschienen sind Werke wie „Don’t Go Where I Can’t Follow“, „The End“ und zahlreiche andere Graphic Novels und Comics. Die Arbeiten variieren sowohl stilistisch und narrativ zwischen traditionellen und experimentellen Techniken. Seine Arbeiten wurden in Magazinen wie "The New York Times", "Poetry Magazine" und "The Believer" veröffentlicht. Mit seinen Arbeiten hat Nilsen bereits drei Ignatz Awards sowie den Lynd Ward Graphic Novel Prize gewonnen. Derzeit arbeitet er an einer Graphic Novel, in welcher er den Mythos von Prometheus im heutigen Zentralasien neu erzählt.

Anders Nilsen ist ein US-Amerikanischer Illustrator, dessen Illustrationen unter anderem in der New York Times, dem Poetry Magazine und The Beliver veröffentlicht wurden. Seine Comics und Graphic Novels sind in verschiedene Sprachen weltweit übersetzt. Sein Kunststudium absolvierte er in New Mexico, heute lebt er in Los Angeles.


Wie viele Andere Illustratoren hat Nilsen über Umwege zu seinem Beruf gefunden: Als er 1996 seine Ausbildung beginnen wollte, gab es keine künstlerischen Universitäten, die Kurse für Comics anboten, so Nilsen. Der einzige Bildungsweg für eine Ausbildung in bildnerischer Darstellung waren die Kunsthochschulen, an denen vor allem freie Kunst unterrichtet wurde.
Insofern sah sich Nilsen zu dieser Zeit auch mehr als klassischer Künstler, dessen beruflicher Weg über Galerien und Ausstellungen verlaufen würde.


In seinem Kunststudium konzentrierte er sich auf die Malerei und sah dort seine Zukunft. Während des Studiums entwickelte er jedoch auch eine Vorliebe zu räumlichen Kunstwerken – Ausschnitte aus Magazinen und Zeitschriften, die er in Installationen an der Decke aufhängte. Schließlich kam er während seiner Studienzeit an einen Punkt, an dem sich seine Malerei stilistisch an Comics annäherte, die Bilder bekamen nun plötzlich eine Narration. Aufgrund der narrativen Entwicklung entschied sich Nilsen, ein Buch zu produzieren. Die Arbeiten, die er hierfür erstellte entstanden diesmal alle mit Kuli. Es wurde mehr ein Bilderbuch als ein Comic, aber es war das erste Mal, dass er an einer Geschichte arbeitete. Weder Nilsen selbst noch seine Professoren wussten, was sie damit anfangen sollten und so blieb es bei einem einzigen, selbst hergestellten Exemplar, dass mehrere Jahre unangetastet in seinem Bücherregal stand.


Mit dem Ende des Studiums verlor Nilsen das an einem kreativen Ort konzentrierte Umfeld aus Kollegen, Kommilitonen und Professoren sowie den notwendigen Arbeitsplatz im Atelier. Er füllte das entstandene kreative und räumliche Vakuum mit seinen Skizzenbüchern, die für die nächsten ein, zwei Jahre sein Hauptarbeitsbereich wurden. Dies führte dazu, dass die im Studium entstandenen großräumigen Arbeiten nun den Geschichten in seinen Skizzenbüchern wichen – kleine Comics über Vögel, die er einfach nach Lust und Laune ohne ein bestimmtes Ziel zeichnete. Nach ein paar Jahren hatte er so viele Strips gezeichnet, dass er beschloss, daraus ein Zine zu erstellen und es in einem Comicladen in seiner damaligen Heimatstadt zu zeigen.


Laut Nilsen war dies eine kleine Offenbarung für ihn. Diese ganzen Strips in eine Form zu bringen und sie Leuten zu zeigen bescherte ihm plötzlich ein Publikum. Für ihn war es damals ein wichtiger Moment zu erfahren, wie Freunde, denen er die Strips zeigte, sie lasen und darüber lachten. Es stellte eine wichtige Verbindung her. Er führte die Strips fort und entwickelte nach und nach Storylines. Er ließ die Malerei und die Installationen hinter sich, um weiter die Möglichkeiten von Comics zu erforschen. Sein daraus entstandenes Comicbuch „Little Big Questions“ druckte er in seinem fortführenden Studium mit Offset-Lithographie. Letztendlich dauerte das Project 12 Jahre und beinhaltete 600 illustrierte Seiten.

 


Durch das Projekt, dass er vorerst in einzelnen Zines veröffentliche, erhielt er schließlich ein Publikum und die Aufmerksamkeit von Verlegern. Einer schrieb ihn an und bat ihn, eine Anthologie zu illustrieren. Während „Little Big Questions“ sein eigenes Projekt war, in dem er sich frei austobte, sollte er nun plötzlich eine richtige Geschichte für jemand anderen erstellen. Zuerst wusste er nicht, wie er an das Projekt herangehen sollte, doch dann fand er beim Blättern in alten Skizzen Ideen wieder, und daraus entstand eine Art Road-Story über einen Protagonisten mit einem Teddybär, angelehnt an die eigenen Erfahrungen von naiver Illusion und Verlorenheit während des Kunststudiums. Obwohl es vorerst 40 Seiten werden sollten, wurde die Geschichte so lang, dass sie sehr viel verwerfen mussten, damit es nicht zu teuer würde. Er begann das Projekt mit der Vorstellung, dass es eines der besten werden müsste, die er je gemacht hatte – das Chaos folgte. Glücklicherweise hatte Anders Zeit, Abstand zu nehmen, und so konnte er die überflüssigen Arbeiten verwerfen um eine in sich Stimmige Anthologie daraus zu machen die gut genug war, um sie als Buch herauszubringen.

Dennoch ist er im nachhinein unzufrieden und zum damaligen Zeitpunkt dachte er, es wäre besser, wenn niemand es jemals lesen würde.
Nachdem Nilsen die Kunsthochschule verlassen hatte, arbeitete er wieder viel für sich selbst und stellte zudem mit anderen eine Webseite für ein erfundenes Künstlerkollektiv online. Es war die Zeit des Internets und des Experimentierens. Ein weiterer Auftrag kam über einen spanischen Verlag, der „Dogs and Water“ von Nilsen übersetzen wollte. Eine weitere Anfrage für eine umfangreiche Anthologie als Hommage an alte Sonntags-Strips, in Zeitschriften, ähnlich zu denen von Little Nemo, folgte.


Ein weiteres Projekt war ein Buch aus Kurzgeschichten, das Nilsen mit einem Freund aus Chicago herstellte. Sie führten einige Lesungen durch, doch ihm kam es etwas seltsam vor, die Comics vorzulesen. Deshalb änderte er das Konzept und zeigte stattdessen nur die Bilder ohne Text, während er las. Das Buch war von der griechischen Mythologie inspiriert. Eine Geschichte davon handelte von Isaac und Abraham, die Illustrationen erinnern an Schattentheater. Für Nilsen funktionierte die Technik sehr gut, denn weniger visuelle Informationen zu geben, nur die Silhouetten zu zeigen, ließe einen selbst leichter in die Geschichte einsteigen.
Noch immer arbeitet Nilsen viel in seinen Skizzenbüchern – vor allem wenn er reist, denn dann hat er am meisten Zeit für die Arbeit im Skizzenbuch. Manchmal geht er im Nachhinein zurück zu einem gescheiterten Bild und ändert es, bis es ihm gefällt. Manchmal gefällt ihm eine Skizze nicht, aber dann kommt ein Verleger und will es für seinen Artikel und schließlich wird daraus eine der Illustrationen, die ihm am besten gefallen.


FRAGEN:
Du sagtest in der Kunsthochschule war es unüblich, Comics zu zeichnen – hast du jemals darüber nachgedacht, Animation zu studieren?
Antwort: Es gab mehr Angebote für Animation. Ich weiss nicht, warum es mich nie angesprochen hat. Damals dachte ich, ich werde ein seriöser Künstler, deshalb orientierte ich mich mehr in die Richtung der freien Kunst.

Deine größte Inspiration?
Antwort: Hergé ist eine große Inspiration, „The happy clown“. Aber vieles inspiriert mich, zum Beispiel Musik, aber ich lese auch sehr viel, über Evolution, Geschichte und all solche Dinge. Das ist sehr faszinierend.

Welche Verleger magst du am liebsten – Lokal oder Weltweit?
Antwort: Weltweit, Frankreich hat eine wunderbare Comicszene und ein paar andere europäische Länder auch. Ich habe auch zwei Verleger in China. Es ist nicht wirklich ein Weg, um reich zu werden. Aber veröffentlicht zu werden, ist ein guter Weg sich neue Märkte zu erschliessen und als Comiczeichner einigermaßen gut über die Runden zu kommen.

Was denkst du über nicht abgeschlossene Geschichten und Disziplin?
Antwort: Anfangen ist hart – etwas zu beenden noch viel schwieriger. Ich schätze, mir helfen vor allem Deadlines sehr. Wenn du einen Verleger hast, der einen Zeitplan für dich festlegt, hilft das sehr. Selbst erstellte Deadlines sind nicht echt, aber es ist gut zu denken: „Ich muss mal was fertig kriegen.“ Mir ist es wichtig, Sachen fertig zu stellen und nicht einfach in meinem Computer verstauben zu lassen.

Colorierst du Analog oder Digital?
Antwort: Einige Cover have ich in Gouache gemacht, aber die Seiten sind digital coloriert.

Wie bist du an den Punkt gelangt, an dem Verleger mit dir arbeiten wollten?
Antwort: Das erste Mal fand ich einen Verleger, als ich an „Big Questions“ arbeitete. Davor veröffentlichte ich alles über Self-Publishing und schickte den Verlegern die ich mochte Kopien. Eines Tages schrieb mir einer von ihnen zurück. Aber meine Arbeiten selbst zu veröffentlichen war auch gut. Es gefiel mir, die Leute die meine Comics kauften auch persönlich zu kennen, es war intensiver und die Comic Szene ist eine richtige Community.

Wie viel fertiggestellte Arbeiten wollen Comic Verleger sehen?
Antwort: Mindestens ein paar Kapitel, wenn nicht schon das ganze Buch.

Ist es ein Problem auch zu illustrieren, wenn du ein Cartoonist bist?
Antwort: Art-Direktoren sind unterschiedlich, manche wollen einfach nur interessante Arbeiten finden. Meiner Erfahrung war, dass ich zuerst auf eigene Faust Comics veröffentlichte, mein erster Auftrag jedoch einer für eine Illustration war, der durch die Comics entstanden ist.

Hast du schon mal erwogen, mit einem Schriftsteller zusammen zu arbeiten?
Antwort: Zuerst schreiben funktioniert für mich nicht. Für mich beginnt es eher mit: „Was möchtest du zeichnen?“ Und dann zeichne ich etwas, vielleicht ein Baumstumpf mit etwas Gras,und daraus entsteht die Idee von Lebensringen und Leben in Verbindung mit einem Baum. Insofern bilden sich meine besten Arbeiten oft aus einem visuellen Ansatz heraus, aus dem sich eine Geschichte entwickelt.