22.05.2019

Ditze-Hörsaal, Finkenau 35, HAW Hamburg

Felix Bork

macht Illustration

In seinen Arbeiten setzt sich Felix Bork mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben auseinander: Süße Tiere, schöne Blumen, zuckerfreie Ernährung, Fürze und Liebe. Der aus Berlin stammende Illustrator und Autor veröffentlichte neben diversen amüsanten Postern und Zines seit 2017 die humorösen Bestimmungsbücher «Oh, ein Tier!» und «Oh, eine Pflanze!», sowie das illustrierte Kochbuch für glutenfreies, pflanzliches und zuckerloses Essen «Und was isst du dann?».

Studium

“Sag mal, warum bist du denn eigentlich Illustrator geworden?” – “Na Ich hab als Kind schon gerne gezeichnet” Felix zeigt seine Zeichnungen aus der 1C und beginnt damit, uns durch die Stationen seines Lebens zu führen. Von der Kindheit springt er direkt zu seiner Bachelorarbeit, denn dazwischen sei nicht viel passiert und an seinem Stil habe sich nicht viel geändert. Als er 2008 mit seinem Kommunikationsdesign Studium in Berlin anfing, probierte er sich erst einmal in allerhand Bereichen aus. Dabei wurde ihm nahegelegt, mit dem Studium aufzuhören. Seine Abschlussarbeit zeigte ihm aber , dass er gern in diesem Bereich arbeiten  möchte. Nach 4 Jahren hatte er dann ein “recht spezielles” Buch in der Hand, mit dem er sich nicht hätte bei Agenturen bewerben können. Stattdessen studierte er weiter in Halle. Dort blieb ihm im eigenen Atelier Zeit zum ausprobieren, in der unter anderem kleine Comics entstanden. Weil er, wie er sagt, nichts wegschmeißen kann, hat er daraus kleine Zines gemacht.

Oh, ein Tier!

Nach den Zines entschied sich Felix ein Buch zu machen, das eine etwas bessere Chance hatte, verlegt zu werden. Nach Recherchen im Internet wurde ihm klar: “Jeder hat Bock auf Tiere!” Und da er gern draußen unterwegs war und Enten beobachtete, hat er seine beiden Leidenschaften in “Oh, ein Tier!” verbunden.

“Naja, ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich machen sollte, und hatte Bock ein Eichhörnchen zu malen.”

Da Felix vorher  noch nie mit Farbe oder zu wissenschaftlichen Themen gearbeitet hatte musste er das nun lernen, um ein Tierbestimmungsbuch machen zu können. Dabei halfen ihm alte Biologiebücher aus der DDR, dessen Inhalte er in seinen eigenen Stil übersetzte. 

Im Vortrag betont er die Wichtigkeit von Effizienz. Felix zeigt ein Bild von einer fünf Jahre alten Zeichnung, die er auch in “Oh, eine Pflanze!” verwendet hat. “Immer wieder in alles reinbringen. Ja nichts doppelt machen!” Aber irgendwie musste Felix dann noch lernen, wie man Tiere überhaupt malt und hat dolle viel rumprobiert. Nach dem Hinweis seines Professors, nicht immer mit Abtöner aus dem Baumarkt zu arbeiten, hat er sich mal wie ein echter Profi schweineteure Acrylfarbe gekauft, mit der es langsam besser wurde. 

Daraus ist ein Buch geworden, das wie klassische Bestimmungsbücher angelegt ist. Es zeigt die unterschiedlichen Tiere anhand ihrer wichtigsten Bestimmungsmerkmale wie Aussehen, Fortpflanzung, Ernährung oder Habitat. Felix entnimmt daraus aber auch Elemente und interpretiert sie auf seine eigene Weise, meist humorvoll: “Darüber können wir uns im Anschluss streiten.” Das Buch hat acht Kapitel. Ein Kapitel beginnt immer mit einem Text, der möglichst trocken sein soll, aber mit kleinen Anmerkungen ausgeschmückt wurde. Wir schauen uns zusammen ein wenig genauer die Fortpflanzung an. Felix erläutert detailliert den Comic “Die haben krasse Fühler” und kann sich das Lachen kaum verkneifen, schafft es aber dennoch mit Fachbegriffen zu glänzen. Trotz  all dem Humor merkt man, dass Felix sich mit der Thematik gut auskennt. Nachdem einige Schmetterlingsarten etwas freier interpretiert dargestellt wurden, folgen über ein Dutzend Schmetterlinge in einer Bestimmungsbuch-gerechten Auflistung. Felix zeigt uns das Kapitel der Fische, aber auf den Bildern kann man außer blauen Flächen nicht viel erkennen: “Das liegt daran, dass die unter Wasser sind.” Das Kapitel der Reptilien zeigt er uns nicht, denn da sind Schlangen dabei und die gruseln ihn. 

Das Kapitel über Vögel mag er am liebsten , weil er die besonders lieb hat. Es folgen viele Enten. Gerade vor dem Vortrag hat er noch Reiherenten gesehen, “wenn ihr jetzt losgeht, seht ihr da noch ein Pärchen”. Die Füße der Enten zeigt er nicht, denn die sind auch unter Wasser. Er zeigt weitere Bilder von allerhand Vögeln und danach Säugetiere. Seine Lieblingstiere sind eigentlich Enten, aber auch den Maulwurf hat er sehr gern. Weil dessen Fell keinen Strich hat, kann man so einen kleinen Maulwurf in beide Richtungen streicheln. “Leider sieht man meistens nur tote Maulwürfe – und da ist es eigentlich auch egal in welche Richtung man ihn streichelt.”

 

Und was isst du dann?

Weil Felix keinen Zucker verträgt und davon pupsen muss, machte er ein Zine darüber. “Das wird die Leute interessieren.” Dieses Heft war die Grundlage für das Kochbuch “Und was isst du dann?”. Es beinhaltet glutenfreie, pflanzliche und zuckerlose Rezepte. Und was isst Felix nun? Die Antwort ist Gurke, sehr viel Gurke. Felix ernährt sich überwiegend von Gurke.

Für dieses Buch musste Felix mit anderen Leuten zusammenarbeiten, statt den ganzen Tag nur zu zeichnen. Deniz Ficicioglu kümmerte sich um die Rezepte, hat diese gekocht und angerichtet. Felix’ Kumpel Erik hat Fotos gemacht und wie auch bei seinen anderen Büchern Schrift und Grafik übernommen. Felix hat sich darum gekümmert, süße Gesichter zu malen, die Gurken essen.

Er zeigt uns Rezepte aus dem Buch. Eine Süßkartoffel sah aus wie ein glänzendes Ferkelchen, deshalb hat er eine Wiese mit Schweinen gemalt. Ein unfotogener Karottenkuchen sah in seinen Zeichnungen nur nach Schimmel aus, weshalb dann stattdessen ein ehrliches aber hässliches Foto ins Buch kam. 

 

Oh, eine Pflanze!

Felix zeigt uns sein letztes Buch. Es ist die florale Entsprechung zu “Oh, ein Tier!”. Aus Effizienzgründen hat es die gleiche Einleitung wie “Oh, ein Tier!”, mit ein paar ausgetauschten Worten, weil man so einen Text höchstens eine halbe Stunde, bevor man das Buch abgeben muss, schreibt. . “Das sind eigentlich so Dinge die, ich nie erzählen wollte – verdammt.”

Wir gucken uns gemeinsam das erste Kapitel an. Die Texte sind wieder absichtlich trocken geschrieben und mit kleinen Anmerkungen und Zeichnungen ausgeschmückt. Mit Begeisterung zeigt Felix ein Bild von der Fotosynthese: “Hey, Effizienz! Ihr kennt das Bild, ich habs einfach nur ausgemalt.” Das Bild haben wir Anfangs schon bei “Oh, ein Tier!” gesehen. Felix nimmt uns die romantische Vorstellung, dass er für so ein Buch den ganzen Tag draußen rumläuft und sich Bäume anschaut. Er war vielleicht einmal draußen, die meiste Zeit verbrachte er im Atelier.

 

Da Felix viele Seiten mit naturgetreuen Darstellungen von Blumen füllen musste, hat er zur Abwechslung spaßige Doppelseiten angelegt. Diese waren für ihn immer ein Licht am Ende des Tunnels. Felix zeigt uns weiter Bilder aus dem Kapitel der Bäume und erzählt uns, dass circa achtzig Prozent der Eichenbestände Deutschlands dadurch entstanden sind, dass Eichhörnchen Eicheln vergraben und vergessen haben. Das hat er mal in einer Statistik gelesen, hat diese danach aber nie wieder gefunden. Aber er ist sich sicher, dass er das wirklich gelesen hat. Felix springt schnell durch viele Seiten mit Blumen. In das Buch hat er vor allem häufig vorkommende Blumen aufgenommen,  aber auch Blumen mit besonderen Eigenschaften haben es ins Buch geschafft. Felix hat aus Versehen zweimal die gleiche Blume gemalt, aber weil er nicht gern Sachen wegschmeißt , hat er beide auf eine Doppelseite gepackt. Er erzählt uns, dass ihm bei der Vorbereitung auf den Vortrag aufgefallen ist, dass er etwa in jeder dritten Pflanze ein kleines Gesicht versteckt hat. 

felixbork.de