25.04.2018

Ditze-Hörsaal, Finkenau 35, HAW Hamburg

Mehrdad Zaeri

macht Buchillustration

Mehrdad Zaeri ist Zeichner und Buchillustrator aus Mannheim.

Mehrdad Zaeris Vortrag für Spezial Material war kein gewöhnlicher Vortrag. Er selbst bezeichnet es als „Erzählstunde“. Mehrdad nahm seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch ein ereignisreiches Leben und zeigte intime Einblicke in das Leben eines Künstlers und die Schwierigkeiten eines geflohenen Jungen, der versucht, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden.
Mehrdad Zaeri wurde 1970 im Iran in Isfahan geboren. Bis zum Krieg hatte Mehrdad eine schöne Kindheit mit vielen persischen Kinderbüchern. 1985 floh er mit seiner Familie über Istanbul und Ost-Berlin nach Heidelberg. In Deutschland angekommen, wurde Mehrdad zunächst durch Sprachbarrieren gebremst. Der merkwürdige, fremde Junge, der seine Klassenkameraden siezt, wurde von seinen Mitschülern nicht beachtet. Ein Potrait von Michael Jackson brachte dann die Wende. Ihm war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass er besser zeichnete als seine Mitschüler. Das Interesse an dem Zeichner Mehrdad war groß, und er begann, seinen Mitschülerinnen Porträts ihrer Lieblingsstars aus der Bravo zu malen. Er hatte einen Weg gefunden, sich zu integrieren und auszudrücken. Die Bestätigung, die Mehrdad durch das Zeichnen erfahren hatte, beflügelte seinen Traum, Künstler werden zu wollen. Das Abitur machte er seinen Eltern zuliebe noch, die ihn gerne im Arztkittel gesehen hätten. Mehrdad hatte allerdings seinen eigenen Kopf und eigene Pläne. Seinen Wunsch, jeden Tag Bilder zu malen.
Nach dem Abitur arbeitete Mehrdad zunächst als Taxifahrer. Im Taxi zeichnete er seine Bilder. Während der Wartezeiten begann er, auf Abrechnungen zu skizzieren, teilweise auf der Rückseite oder auch direkt auf der Rechnung. Die Bilder wurden dann in einem kleinen Café ausgestellt. Besucher konnten die Geschichten bestaunen und auch kaufen. Ein Verleger sah seine Bilder im Café und bot ihm die Gelegenheit, ein Buch zu illustrieren. Das war für Mehrdad der Schritt in die Selbstständigkeit. 2001 ließ er das Taxifahren hinter sich und begann, sich ganz auf seine Kunst zu konzentrieren. Weitere Aufträge und eine Agentin folgten.


Heute ist Mehrdad viel gefragt und in der Position, sich seine Projekte selbst aussuchen zu können. Er kollaboriert mit befreundeten Künstlern und illustriert Geschichten, die ihn persönlich berühren. Außerdem arbeitet er eng mit seiner Frau Christina Laube zusammen, die als Fotografin und Autorin arbeitet. Mit ihr hat er beispielsweise das Buch „Aschenputtel“ gestaltet, welches mit detaillierten Lasercuts versehen ist.

Auch für seine Schwester Mehrnousch Zaeri, ebenfalls Autorin, hat Mehrdad schon Buchprojekte illustriert. Er beschränkt sich aber nicht nur auf Buchillustrationen. Mittlerweile zählen auch Kalender, Bilder auf Hauswänden, dreidimensionale Papierwelten und Animationen zu seinen Arbeiten.
Eine weitere große Leidenschaft von Mehrdad ist das Geschichtenerzählen. Durch seine Bilder will er eigene Geschichten in die Köpfen der Menschen zaubern, nicht alles vorwegnehmen, sondern Raum für eigene Interpretation lassen. Er erzählt aber nicht nur gerne mit Bildern. Mittlerweile besteht ein großer Teil seiner Arbeit darin, Vorträge zu halten. Zusammen mit seiner Frau beschreibt er das Leben als Künstlerpaar oder veranstaltet interaktive Liveevents für Kinder und Erwachsene, bei denen er spontan Bilder malt. Mehrdad ist Autodidakt und hat sich alles zum Thema Illustration selbst beigebracht. Er selbst sagt, dass er keinen einheitlichen Stil hat. Seine Bilder sind abwechslungsreich und nicht geplant. Der Zufall spielt in seinen Arbeiten eine große Rolle. Sein Tipp: „Einfach loslegen.“ Ohne Plan, ohne zu wissen, was entsteht. Das bezeichnet Mehrdad selbst als seine große Stärke. So bewahrt er sich die kleinen schönen Überraschungsmomente, die die Arbeit ihm bereitstellt. Die kleinen „Fehler“, aus denen etwas Wunderbares hervorgeht. Das erforderte zu Anfang Mut, mittlerweile gelingt es ihm aber gut, Hände und Kopf zu trennen. Mehrdad sagt über sich selbst, dass er ein melancholischer Mensch ist. Ruhige, nachdenkliche und traurige Gefühle zuzulassen, hilft dabei, stimmungsvolle Bilder zu erschaffen. Bilder, die den Betrachter berühren.

Wie gut das mit dem Zufall in Mehrdads Zeichnungen funktioniert, konnte man am Ende des Vortrags beobachten. Die Zuschauer sollten ein Wort in den Raum werfen, welches ihnen als Erstes in den Sinn kommt. Hamster! Das geschriebene Wort verwandelte Mehrdad schnell in ein Bild zusammengesetzt aus kleinen Geschichten. Das Wort selbst war nicht mehr zu erkennen. Diesen Prozess verwendet Mehrdad auch in seinen Auftragsarbeiten. Welche Wörter er da verwendet hat, erkennt er selbst manchmal nicht mehr. Es bleibt aber ein schönes Geheimnis.
Mehrdad bei seinem Vortrag zu folgen und einen Einblick in sein Leben zu erhalten, war inspirierend. Der Enthusiasmus und die Leidenschaft für seine Arbeit waren spürbar. Wir bedanken uns ganz herzlich für den schönen Abend.

Vortrag verpasst habt, könnt Ihr noch andere Veranstaltungen von Mehrdad besuchen. Die Infos dazu und viele weitere Arbeiten findet Ihr auf seiner Homepage:
https://mehrdad-zaeri.de