4.10.2018

Ditze-Hörsaal, Finkenau 35, HAW Hamburg

Nadine Redlich

macht Comic und Editorial

Nadine Redlich lebt und arbeitet als Cartoonistin in Düsseldorf.
Zu ihren Kunden gehören The New York Times, Die ZEIT, Süddeutsche Zeitung, Google u.v.m.
Nach ihrem spannungslösenden Buch „Ambient Comics” und ihrem Stress Opus „Paniktotem“ erschien nun die von Hass durchsetzte Liebeserklärung „I Hate You – You Just Don’t Know It Yet“ bei Rotopol.

Roter Schal, blondierte Haare, quietschende Turnschuhe.

Nadine Redlich stellt sich verlegen ans Rednerpult und grüßt das Publikum so, als ob sie gerade lieber selbst dort säße: „Ich hätte gern für Euch eine abendfüllende Lesung vorbereitet, doch wie ihr sehen könnt, gibt es in meinen Comics nicht so viel Text. Es passiert auch nicht so richtig viel. Das heißt – wenn ich alle meine Comics aneinanderreihen würde, würde ich nicht mal auf zehn Minuten kommen.“

In ihrem Vortrag im Rahmen von Spezial Material geht sie zuerst auf ihre Einflüsse ein. Sie erzählt, dass sie einen großen Teil Ihrer Kindheit zu Hause vor dem Fernseher verbrachte. Allergiebedingt musste sie dabei einen „Raumanzug“ tragen, und da habe sich das Zeichnen dann ganz natürlich ergeben – das Publikum kichert. „Früher in der Grundschule habe ich Jim Henson und seine Puppen geliebt. Ich habe mir für diesen Vortrag noch einmal eine Episode der Muppets angesehen und plötzlich festgestellt: „Obwohl die Episoden sehr bunt sind, sind die Themen dann doch auch mal etwas düsterer.“ Sie Schildert den Konflikt von zwei Charakteren der Muppet-Show: Gonzo will seinen alten Teddybären loswerden, Fozzie Bär fühlt sich fälschlicherweise angesprochen und wird von Selbstzweifeln zernagt. Nadine merkt an: „Mit solchen Themen beschäftige ich mich auch meistens. Und all das passierte in einem Nebenerzählstrang einer Kinderfernsehserie. Eigentlich habe ich nach der Grundschule nicht mehr viel gelernt.“

Gelernt hatte sie auch etwas von den Sipmsons: „Immer wenn Du denkst, Du kannst etwas gut, dann gibt es mindestens eine Million Menschen, die das besser können.“

Nadine zeigt Slides mit Arbeiten aus ihren „Ambient Comics“, welche im Rotopol Verlag erschienen sind. Es ertönt ein meditativer Gong. „Atme ein, atme aus. Schließe die Augen, nur wenn nötig. Die ISBN Nummer für dieses Buch ist …“ Verhaltenes Gelächter macht sich im Publikum breit. Ein weiteres Projekt, welches Nadine vorstellt, sind die „Panik Totems“, ebenfalls bei Rotopol veröffentlicht.

Nadines Humor in Worte zu fassen ist – offen gesagt – unmöglich. Einige der Strips handeln von Hunden. Viele wirken auf den ersten Blick nebensächlich oder fast schon unspektakulär, entfalten dann aber durch einen knappen, hintersinnigen Satz ihre Wirkung. Ob in Zeitungen oder im Vortrag, ihre Strips treffen irgendwie immer den Lachmuskel.

So wie bei einem Auftrag für die Zeit, bei der sie einen Kommentar zur WM abgeben sollte. Da sie überhaupt keine Ahnung von Sport hatte, ließ sie einfach den Adamsapfel von Christiano Ronaldo zu Worte kommen.

Bei Auftragsarbeiten hat es sich Nadine generell angewöhnt, schnell und rigoros zu arbeiten: „Manchmal verliebt man sich ja in eine Idee und möchte da später noch einmal darauf zurückgreifen. Aber das mache ich heute gar nicht mehr. Abarbeiten, Abhaken, Weitermachen. Aber ist das natürlich auch vom Kunden abhängig.“

Ihre Diplomarbeit 2010 beschäftigte sich mit der analogen Darstellung des Internets. Entstanden ist eine Box, welche unzählige kleine Heftchen enthält. In ihr findet man unter anderem Daumenkinos und analoge Hyperlinks. „So entstand ein nerviger Loop, wie das Internet selbst.“ Hatte man alle Hefte angeschaut, wurde man auf ein Extraheft weitergeleitet. Sie ließ sich in diesem Projekt die Freiheit, verschiedene künstlerische Darstellungstechniken zu mischen und in jedem Heft etwas Neues auszuprobieren.

Nadine stellt uns anschließend ihr neuestes Buchprojekt „I hate you, you just don’t know it yet“ vor. Darin geht es um Liebe, Triebe und Hiebe, eben die kleinen und großen Fiesheiten einer Liebesbeziehung. Die Strips sind mit schnellem Strich in roter Tinte gezeichnet und strotzen voll markanter Sprüche: „My farts remind me of your farts“. Bei der Arbeit an dem Projekt fiel eine große Menge Ausschuss an. Die eine Hälfte der Einfälle landeten im Buch, die andere Hälfte landeten in der Tonne. Oder besser gesagt: sie wurden verbrannt. Nadine stellt uns einige Beispielseiten aus dem Buch vor und spielt als Untermalung kitschige Orchestermusik ein.

Nadine Redlich schließt ihren Vortrag mit einem dringlichen Rat ab: „Wählt den Betreff für Eure Kontoüberweisungen sorgfältig aus!“ Bei einer Steuerprüfung 2011 bekam sie mit dem Finanzamt ernsthafte Probleme, da ihr einige humorvolle Verwendungszecke wie „schwarz Putzen“ auf die Füße gefallen sind.

Nadine verlässt das Rednerpult so wie sie gekommen ist. Leicht verlegen, mit einem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht.

Weitere Infos über Nadine Redlich unter:
http://www.nadineredlich.de/
und bei Rotopol Press:
http://www.rotopolpress.de/kuenstler/nadine-redlich