29.01.2020

Ditze-Hörsaal, Finkenau 35, HAW Hamburg

Rita Fürstenau

macht Illustration, Rotopol Verlag

Rita Fürstenau arbeitet als freiberufliche Illustratorin und Designerin. Sie ist Mitgründerin des preisgekrönten Verlags Rotopol für grafisches Erzählen und arbeitet seit der Gründung in 2007 als Verlegerin. Sie wurde 1982 in Berlin geboren und zog 2001 für ihr Studium nach Kassel. Hier studierte sie an der Kunsthochschule Visuelle Kommunikation mit dem Schwerpunkt Illustration sowie an der Universität Kassel Grundschullehramt und Erziehungswissenschaft. Neben ihrer künstlerischen und verlegerischen Tätigkeit unterrichtet sie seit 2011 an der Kinder- und Jugendkunstschule in Kassel und als Gastdozentin in den Bereichen Illustration und grafisches Erzählen an verschiedenen Hochschulen, u.a. an der Kunsthochschule Kassel, The Animation Workshop Viborg (DK), der Universität Sofia (BG) und der Fudan Universität in Shanghai (CN). Zu ihren Auftraggebern gehören u.a. Bahlsen, Google und die Museumslandschaft Hessen Kassel. Ihre eigenen Arbeiten erscheinen bei Rotopol in Form von Büchern, Faltheften, Papierspielen, Postkarten sowie handbedruckten Skizzenheften und Textilien. Diese sind zusammen mit dem restlichen Verlagsprogramm und einer Vielzahl von Comic- und Illustrationspublikationen aus der ganzen Welt in ihrer Ladengalerie in Kassel zu finden.

Rita Fürstenau ist sowohl für ihre Arbeit bei Rotopol, dem Verlag für graphische Erzählung, als auch für ihre eigenen Illustrationen bekannt. Sie leitet den Vortrag mit ihrem eigenen Werk ein, denn dem ist auch ihre Verlagsarbeit entsprungen.
In Kassel studierte sie ab 2001 zuerst auf Lehramt und musste dann doch schnell feststellen, dass es sie mehr in Richtung Illustration zog. Kurzerhand nahm sie Visuelle Kommunikation als zweiten Studiengang auf. Dort interessierte Rita besonders das non-lineare Erzählen, häufig in Form von Leporellos. „Raum kommt von Räumen“ war eines der ersten Projekte an der Uni, bei dem sie so arbeitete.
Einzelne Zeichnungen, in Bezug auf einer Fläche gestellt, bildeten plötzlich ganz neue Narrationspotenziale. „Raum kommt von Räumen“ kann gedreht und gefaltet werden, hat keine festes Ende und keinen bestimmten Anfang, und nutzt das Medium Heft auf ungewohnte Weise.
Noch heute ist das Verknüpfen von Szenen oder Figuren eine Arbeitsmethode, die Rita für sich nutzt. Oft ist dabei die Bleistiftzeichnung im Skizzenbuch der erste Schritt, danach folgt das Herumschieben und -basteln auf den Seiten und schließlich digitale Koloration. Die stellte lange Zeit einen Kampf dar, weshalb sie eigentlich farbige Arbeiten schließlich doch in schwarz-weiß abgab. „Da niemand wusste, dass es eigentlich bunt sein sollte, war das aber nie ein Problem.“
Ein Tipp, den Rita mit auf den Weg geben möchte: „Verlasst euch auf Motive, die immer wieder kehren.“ Das gilt sowohl metaphorisch gesprochen als auch konkret für Charaktere, denn Figuren und Ideen für einen Auftrag in der Hinterhand zu haben, ist immer von Vorteil.
So entstand z.B. auch die „Mellom Collection“, von der es inzwischen vier Ausgaben gibt. Das sind kleine Leporellos mit einer Ansammlung von kolorierten Figuren aus dem Skizzenbuch, die ein toller Weg sind, auf Messen oder Reisen ins Ausland etwas Neues ohne großen Aufwand präsentieren zu können.
Doch nicht nur Bücher und Auftragsillustrationen gehören zu ihrem Repertoire, sondern auch das Designen von Mustern, die sie häufig nebenher herstellt und auch ab- und zu in der hauseigenen Rotopol-Siebdruckwerkstatt druckt, um handgemachte Hefte oder andere Papeterie zu verkaufen. So wird jede Gelegenheit, präsent zu sein, genutzt, was auch eine der Richtlinien von Rotopol ist: vor Ort sein.
Rotopol wurde 2007 von Rita und vier weiteren Illustrator *innen gegründet, noch während des Studiums. Seit 2016 leitet Rita den Verlag allein, meist sind um die vier Leute im Haus, darunter zwei Praktikumsplätze. Ernüchtert vom Feedback von Verlagen beschloss Rita damals vor der Gründung, einige Buchhandlungen zu fragen, ob diese ihre Arbeiten verkaufen würden. Die Buchhändler zeigten sich jedoch etwas irritiert von dem Fehlen einer Verlagsstruktur und somit auch von z.B. ISBN-Nummern. Ursprünglich also zunächst dazu gedacht, ein Weg zu sein, um Bücher offiziell gewerblich verkaufen zu können, wuchs das Projekt immer weiter über sich hinaus. Die ersten Auflagen waren mit 50-100 Stück eher klein und wurden von den Künstler*innen selbst finanziert, die dann 50% der Einnahmen erhielten.
Gleichzeitig kam der Gedanke auf, zusammen ein Büro/Atelier zu teilen, am besten auch mit Schaufenster und Auslagefläche, um die Arbeiten präsentieren zu können. Der finale Raum war dann etwas größer als gedacht, wodurch der Rotopol-Laden, den es auch heute noch gibt, entstand. Auch eine kleine Galerie hat hier ihr zu Hause.
Auf dem Weg wurde der Verlag immer wieder von allen möglichen Seiten (anderen Verlagen, erfahrenen Künstlern, Buchhändlern…) unterstützt, indem sie ihr Know-How geteilt haben, wie Rita betont.
Die wichtigsten Aufgabengebiete in der Verlagsarbeit sind:
1) Lektorat und Konzeption
2) Pressearbeit und Vertrieb
3) Organisation u.A. von Auftritten, Ausstellungen, Lesungen, dem Online-Shop
Im Kern steht dabei immer Koordination und den Überblick behalten!
Rotopol soll ein „Zuhause“ für die verlegten Illustrator*innen sein, die dort in der Zusammenarbeit die ideale Form für ihr jeweiliges Projekt finden. Wenn es dann mal etwas länger dauert z.B. für Nadine Redlichs „I Hate You – You Just Don’t Know It Yet“ das perfekte Rot zu finden, ist das kein Problem. Eine Besonderheit ist dabei auch die Freude an Mischformen: daher auch „Verlag für graphisches Erzählen“ und nicht etwa „Comic-Verlag“. Diese Liebe zu freieren Projekten spiegelt sich auch im Designkonzept wieder, das flexibel für jedes Cover und jede Messe bleibt.
Auf der anderen Seite ist durch die wiederholte Zusammenarbeit mit den Künstler*innen das Verlagsprogramm mittlerweile schnell gefüllt, wodurch Rotopol die meisten Einsendungen ablehnen muss.
Im Zentrum steht jedoch nichtsdestotrotz der Wunsch, jedes Potenzial zu nutzen, sich zu vernetzen und gemeinsam an etwas zu arbeiten.