3.07.2019

Ditze-Hörsaal, Finkenau 35, HAW Hamburg

Sonja Rohleder

macht Animation

Sonja Rohleder ist freie Animatorin in Berlin und Mitbegründerin des Animationskollektivs Talking Animals. In den Kreuzberger Studioräumen arbeitet sie an Aufträgen wie Animationen für Dokumentarfilme, Erklärvideos, Museumsinstallationen und Musikvideos. Studiert hat sie an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg, wo sie zeitweise auch unterrichtete. Mit Hilfe von Filmförderung konnte sie 2018 zwei Kurzfilme und ein Musikvideo abschliessen. Ihr aktueller Kurzfilm, „Nest“ lief bereits auf der Berlinale, in Cannes und Annecy.

Sonja Rohleder ist freie Animatorin in Berlin und Mitbegründerin des Animationskollektivs Talking Animals. Sie gab uns einen Einblick in ihre filmische Arbeit. Studiert hat sie an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg, wo sie zeitweise auch unterrichtete. Sie arbeitet an Aufträgen wie Erklärfilme, Animationen für Dokumentarfilme, Museumsinstallationen und Musikvideos. Mit Hilfe der Filmförderung konnte sie 2018 zwei Kurzfilme und ein Musikvideo abschliessen. Ihr aktueller Kurzfilm, „Nest“ lief bereits auf der Berlinale, in Cannes und Annecy.

Ursprung
Als Einstieg zeigte Sonja eines ihrer freien Projekte – den Animationsfilm „Dame mit Hund“. Sie entdeckte bei dieser Arbeit was sie am Filme machen wirklich interessiert – und zwar mit der Bildsprache zu arbeiten und nicht mit Text, Konzept oder Dialog. Die Animation möglichst weit auszureizen und das Bild zu reduzieren, damit im Betrachter die eigene Fantasie angeregt wird.


Sonja wurde in Zwickau geboren, wuchs in einem Bücherreichen Haushalt auf und stieß dabei auf ihre ersten visuellen Inspirationen, wie den Illustrator Ivan Bilibin und die Werke des Jugendstils.
Auch animierte Filme aus der Sparte des Anime waren prägend, insbesondere das japanische Studio 4°C mit seinem Film „Tekkon Kinkreet“. Ihre Liebe zum Kurzfilm entstand, als sie im damaligen Musikfernsehen die Videos der neusten Indie-Musiker betrachtete und bis heute ist die Musik in ihrer eigene Arbeit ein großer Einfluss.

Werdegang
Vor ihrem Studium an der Filmuniversität Babelsberg hatte Sonja sich das analoge Animieren selbst beigebracht. Als eine der jüngsten der Studierenden war es für sie wichtig mitzubekommen, wie andere Filme machten und den Prozess von Anfang bis Ende durchlebten. Faszinierend für sie war es, dass sie in den gemeinsamen Arbeitsräumen mitbekommen hat, wie individuell die Stile waren und jeder andere Ansätze verfolgte.
Für ihre Entwicklung war auch der Kontakt mit der Film-Theorie relevant und sie entdeckte den frühen abstrakten Film für sich. Berühmte Vertreter aus Deutschland aus den 20er und 30er Jahren waren Walter Ruttmann und Oskar Fischinger, aber auch der schottisch kanadische Künstler Norman McLaren mit seinem grenzenlosen Output war für Sonja inspirierend.

Kollektiv „Talking Animals“
Nach dem Studium war Sonja Mitbegründerin des basisdemokratisch geführten Kollektivs „Talking Animals“ das sich organisch und praktisch entwickelte. Das Kollektiv bestand bei der Gründung vor zehn Jahren aus zehn Animatoren und zwei Sounddesignern, die gemeinsam ein Studio in Berlin Lichtenberg bezogen. Projekte konnten einzeln oder gemeinsam erarbeitet werdenden und bei gemeinsamen Produktionen formten sich die Freelancer zur Gemeinschaft zusammen und bestimmten für diesen Zeitraum einen Diktator. Hierbei entstanden Erklärfilme, etwas Werbung, Dokumentarfilme, Filme für Museen, animierte Sequenzen für Spielfilme wie z.B. für „Er ist wieder da“, Projektionen und Arbeiten für den 2D Games Bereich. Nach vier bzw. fünf Jahren spaltete sich eine Gruppe von 3D-Künstlern ab, um einen Langfilm zu starten.

Freie Arbeit
Nach zwei Jahren Job-Arbeit bei „Talking Animals“ bekam Sonja von der Band „Keimzeit“ eine Anfrage sich ein Lied auszusuchen und dazu ein Musikvideo zu gestalten. Sie tat sich mit ihrer ehemaligen Studienkollegin Veronika Samartseva zusammen. Es war für sie herausfordernd wieder in einen eigenen Stil zurückzukehren um etwas möglichst Simples und Zeitloses zu erschaffen. Mit Farbveränderungen und Figuren aus Papier legten sie die „Money Shots“ analog und animierten den Film digital. Hierbei entdeckte Sonja, dass ihr Einschränkungen im Design neue Wege in die Kreativität eröffneten und die Schwarze Fläche, sowie die gewählten Farben danach in ihren Arbeiten immer wieder auftauchten.


Für Sonja ist es beim freien Filmemachen motivierend einen Gegensatz zu ihrer regulären Arbeit zu finden. Sie bezieht sich dabei auf den „absoluten Film“ der auf Musik und Malerei basiert. Auch wünscht sie sich mehr Diskurs über und einen Fokus auf die Bildsprache im Film. Dabei nimmt sie Beispiele von Langfilmen wie „Wild Boys“ und „Mandy“ oder erklärt an einem historischen Beispiel von „Das Fenster zum Hof“ wie durch Bildsprache in Filmen erzählt wird.

Filmförderung
Sonja empfiehlt eine Kombination aus verschiedenen Förderungen. Eine davon ist die FFA Refernzföderung bei der sie die gesammelten Punkte einreicht die sie wie bei ihrem Film „Dame mit Hund“ auf Festivals gesammelt hat. Weitere Informationen kann man auch direkt auf der Seite finden: www.ffa.de

Nest
Da mit Animationen alles Möglich ist und man schnell im Chaos versinken kann, legt sich Sonja nicht nur einen Rahmen mit ihrer Grundidee zurecht, sondern überlegt sich davor schon Hindernisse wie Zeit und Budget. Der Film „Nest“ ist inspiriert von der Dramaturgie in der Musik der peruanischen Sängerin Yma Sumac aus den 50er Jahren. Sonja assoziierte in die Überdrehtheit die Verbindung zwischen Dragqueens und Urwald und landete bei Paradiesvögeln. Hierbei empfiehlt Sonja sich Youtube Videos der kunstvoll geschmückten Tiere anzusehen. In Zusammenarbeit mit Veronika Samartseva entstand die Idee eines überdrehten Vogelmännchens auf Partnerwahl. Hierbei war es ihnen optisch klar sich nur auf die Schmuckfedern der Vögel zu konzentrieren, um eine flächige Wirkung zu erzielen. Das mit melodramatischer Musik unterlegte Thema wurde am Rechner mit leuchtenden Farben und simplen Formen auf der schwarzen Fläche erarbeitet. Die Technik des Legetricks mit Bones im Programm „Moho“ vereinfachte den Animierungsprozess. Der Film startete auf der Berlinale im Bereich „Generation“ was für Sonja anfangs eine Überraschung war, aber sie freute sich, dass der Film im Kinderprogramm so gut ankam. Ein französischer Verleih interessierte sich und der Film lief in Mexiko und Kanada. Nur Portugal hatte den Film anders aufgenommen und zeigte ihn im Erwachsenenprogramm.

Quiet
Während sie sich bei dem Projekt „Nest“ immer wieder hinterfragte, entstand die Idee noch mehr in die Richtung des abstrakten Filmes zu gehen. Darum bat sie den Musiker Nils Frahm, ob sie zu einem seiner Lieder animieren dürfe. Es fühlte sich für Sonja so an, als würde sie nochmals beginnen Animation zu lernen und es bereitete ihr große Freude nicht zu Wissen was dabei herauskommen würde, da es auch keine Förderung oder einen Anlass gab. Mit dem Material aus digitalen Zeichnungen und gesammelten Bildern blieb sie, nach dem alle anderen das Studio verlassen hatten dort und es entstand der Film „Quiet“. Sonja findet es immer wieder spannend wie der reduzierte Film beim Publikum ankommt. Besonders gut wirkt er in einem dunklen Raum mit einer guten Projektion, aber das Publikum muss sich darauf einlassen.


Gerne könnt ihr alle Filmprojekte auf der Website von Sonja Rohleder nachschauen: www.sonjarohleder.de oder auf der Seite von „Talking Animals“: www.talking-animals.com