5.12.2018

Ditze-Hörsaal, Finkenau 35, HAW Hamburg

Carolin Löbbert

Stephanie Wunderlich

machen SPRING

Carolin Löbbert und Stephanie Wunderlich sind Illustratorinnen, Teil des SPRING-Kollektivs und sprechen im Zuge der „Spezial Material“ Vortragsreihe über das Leben und Arbeiten mit und am SPRING Magazin.

Spezialmaterialvortrag Stefanie Wunderlich und Carolin Löbbert zum Spring Magazin

Die Illustratorinnen Stephanie Wunderlich und Carolin Löbbert stellten am 5.12.2018 in Vertretung für das gesamte Kollektiv das „Spring Magazin“ vor.

Zwischen all den Magazinen, die in Deutschland gedruckt werden, tut sich „Spring“ als monothematische Anthologie mit gezeichneten Beiträgen von Comic bis Illustration besonders hervor.

Hinter „Spring“ steht seit über zehn Jahren ein Collectiv von etwa dreizehn bis vierzehn Zeichnerinnen. Für jede Ausgabe werden außerdem drei oder vier Gastzeichnerinnen um einen Beitrag gebeten.

Gegründet wurde das Magazin bereits 2004 in Hamburg von Studentinnen der Comiczeichnerin Anke Feuchtenberger.

Die Vortragende Carolin Löbbert ist selber Mitglied von „Spring“ seit der zweiten Ausgabe, Stephanie Wunderlich seit der fünften. Im Rahmen des Vortrages erläutern sie von heiter bis ernst die Erstellung eines Magazins mit all ihren Herausforderung, als auch den Einfluss der Gruppenarbeit auf ihre Arbeit als selbstständige Illustratorinnen.

Das „Spring Magazin“ wird durch Vielfalt gekennzeichnet, jede Ausgabe soll visuell und erzählerisch möglichst viele Aspekte zu einem Thema enthalten. Dabei sollen die Zeichnerinnen die Möglichkeit erhalten, sich zu entfalten und amThema genüsslich abzuarbeiten. Gerade im Arbeitsalltag, wo ein Auftrag mit strengen Vorgaben schnell dem nächsten folge, sei das ein großer Luxus, so Carolin Löbbert.

Diese Vielfalt und Freiheit wurde im Vortrag an verschiedenen Beispielen aufgeführt, die Comiczeichnerin Ulli Lust erzählt beispielsweise in der Ausgabe „Familiensilber“ ihrem Sohn die Geschichte des Vaters oder Stephanie Wunderlich vergleicht anlässlich zum Thema „Arbeit“ Löhne. Ob Politisch, persönlich, geschichtlich oder journalistisch – jede Ausgabe ist eine bunte Sammlung von Stilen und Gedanken zu einem Themenbereich.

Diese freie Herangehensweise könne auch für Auftragsarbeiten ein Ansporn sein die eigene Technik oder Materialwahl zu verändern und verschaffe Aufmerksamkeit von Neukunden. Auch sei zum Beispiel die internationale Zusammenarbeit mit anderen Zeichnerinnen, wie anlässlich eines Workshops in Indien ein Ansporn gewesen selbstbewusster Denkanstösse zu liefern und sich auch gesellschaftspolitischenThemen zu widmen.

Jede Ausgabe entsteht mithilfe von Diskussionen in der Gruppe bei Essen und Trinken, mit vielen kleinteilige Entscheidungen und beinhaltet zahllose Emails! Die Gruppe teilt sich die Aufgaben, trotzdem werden Zuständigkeiten wie Finanzen oder Pressearbeit an diejenigen aufgeteilt, die Kapazität, Erfahrung oder einfach Spass daran haben. Eine Übersetzerin, eine Grafikerin und eine Lektorin und die Auslagerung von Vertrieb und Lagerung an den Mairisch Verlag sollen den Zeichnerinnen genug Raum für ihren eigenen Beitrag schaffen.

Der Druck einer Ausgabe mit einer Auflage von 1.000 bis 2.000 Exemplaren kostet durchschnittlich etwa 10.000 Euro. Alle Einnahmen des aktuellen Magazins werden in die nächste Ausgabe reinvestiert, über die Jahre habe sich so ein finanzielles Polster gebildet. Die Richtige Themenwahl sei eine Gradwanderung zwischen künstlerischem Anspruch und Publikumsnähe, aber gerade persönliche Themen würden sich oft gut verkaufen, berichtet Stephanie Wunderlich. Trotzdem seien gerade am Anfang Förderungen natürlich immer sehr hilfreich gewesen. Zum Beispiel bestehe seit der Ausgabe „Reineke Fuchs“ eine Förderung des Goethe Instituts, die auch durch das vermitteln von Workshops weltweit viele neue, spannende Einflüsse ermöglicht habe.

Gerade die Basisdemokratische Struktur in der Gruppe wird von Stephanie Wunderlich und Carolin Löbbert als großer Gewinn empfunden: Niemand muss mitgezogen werden, jeder kann in dem Maße teilnehmen, das ihm gerade möglich ist. Auseinandersetzungen seien natürlich unvermeidlich, aber im Laufe der Zeit wären die Diskussionen weniger persönlich und stattdessen konstruktiver geworden.

Große Teile des Collectivs sitzen in Hamburg oder Berlin, durch regelmäßige Treffen wird dort die Möglichkeit für Feedback gegeben. Außerdem versuchen die Mitglieder jährlich eine Reise zusammen zu unternehmen, idealerweise in der Zeit, in der auch der eigenen Beitrag konzipiert wird.

Neben dem Beitrag sind auch die Release-Ausstellungen ein besonderes Event – zu jeder Ausstellung werden Originale zum jeweiligen Thema erstellt. Auch Workshops in anderen Ländern, Festivalteilnahmen oder Performances, wie die Entwicklung eine Live Magazins im Hamburger Kunstverein oder ein Bühnenbild für die „Konspirativen Küchenkonzerte“ sind spannende Aspekte der Zusammenarbeit im Kollektiv.

Im manchmal „einsamen“ Arbeitsalltag einer Illustratorin am eigene Schreibtisch sei diese Gruppenarbeit ein gutes Gegengewicht.

Und was wir immer schon mal wissen wollten?

Ob es „Spring“ wie „Jetzt Spring doch!“ oder „spring“ wie Frühling bedeutet, liegt ganz bei uns!