17.01.2018

Forum Finkenau, Finkenau 35, HAW Hamburg

Thomas Wellmann

macht Comic

Thomas Wellmann ist laut Reprodukt „einer der besten Geschichtenerzähler des deutschen Comics“.
Er ist freiberuflicher Zeichner, macht Illustrationen, Comics, 2D Animation und Storyboards und arbeitet außerdem als Dozent für Zeichnung und Comic an der Fachhochschule Düsseldorf...

Thomas Wellmann wurde 1983 im Münsterland geboren. Er ist freiberuflicher Illustrator und lebt und arbeitet in Münster. Von 2005 bis 2010 studierte er Kommunikationsdesign in Düsseldorf. Während des Studiums wollte er sich eigentlich auf Videospiele spezialisieren – Comics zeichnen kam ihm vorerst nicht in den Sinn. Doch dann entdeckte er die kontemporären französischen Comic-Zeichner und war völlig hingerissen. Besonders von Christopher Blain und Joann Sfar. Das war kurz vor seinem Diplom 2011, und so entschied er sich dafür sein erstes Comic-Buch „Der Ziegensauger“ zu zeichnen. Dieser Comicgab den Einstieg in seine Karriere als freiberuflicher Illustrator, 2D-Animator, Comic-Zeichner und Game Designer. „Der Ziegensauger“ erschien 2011 bei Rotopol. Hierdurch bekam er auch seinen ersten Auftragals Illustrator: Er schuf den Comicstrip „Renés Meditationen“ für die FAZ. Kurze Zeit später begann Thomas die Arbeit an „Hagion Pneuma“, eine Geschichte, die Teil des kanadischen Anthology Projects. Da die Geschichte nur auf Englisch veröffentlicht wurde,entschieden Thomas Wellmann und Rotopol das Buch mit nach Angoulême auf das Comicfestivalzu nehmen. Beim genaueren Hinschauen war Thomas jedoch nicht mehr zufrieden mit der Grafik und entschied sich „Hagion Pneuma“ neu zu zeichnen. Daraus entstand seine Comicreihe „Pimound Rex“, dessen erste Ausgabe 2013 bei Rotopol erschien.


Comics sind für Thomas eine Herzenssache. Neben seinen anderen Tätigkeiten nimmt er sich
trotzdem Zeit, neue Comics zu kreieren. Beim Comics zeichnen ist es ihm deshalb wichtig, schnell
zu zeichnen! Eben weil es so viel Arbeit ist. Thomas Wellmann arbeitet in seinen Comics nahezu
ausschließlich am Rechner, um möglichst effizient zu sein. Die Skizzen, Vorzeichnungen und die
Kolorierung – alles geschieht in einer Datei.
Seine Geschichten entwickelt Thomas aus einfachen Ideen heraus. Meist beginnen sie mit den
Figuren, diese formen dann die Geschichten. Anhand seines gerade erschienenen Comics „Nika,
Lotte, Mangold!“ erklärt er diesen Prozess. Vom Character Design, über das Storyboard, zur fertig
kolorierten und getexteten Seite.

Trotzdem würde er das nicht als Routine bezeichnen. Es ist eher ein Sammeln undZusammenbauen von Ideen. Teil davon ist aber auch das Wegwerfen von Fragmenten, die denGeschichtsfluss stören – so gerne er sie teilweise auch mag. Thomas kreiert die Umgebung fürseine Figuren und schaut dann, was sie in dieser Umgebung treiben.Dazu passt auch Thomas Wellmanns Tätigkeit als Hintergrund Designer für die amerikanischeTrickfilmserie „Clarence“. Für „Clarence“ entwarf er von 2013 bis 2017 akribisch gezeichnete undwahnsinnig stimmungsvolle Sets, in denen sich die Figuren der Serie ausleben konnten. Teilweisestehlen die detailreichen Hintergründe den kleinen Jungs die sich in ihnen tummeln, sogar dieShow. Thomas’ Tätigkeit als Animation Designer geht zurück auf eine andere amerikanische Serie. 2012 gab er auf dem Toronto Comic Arts Festival seine Comics dem Animator, Drehbuchautor und Produzent Pendleton Ward. Eine Woche später bekam er die Einladung an einem Storyboard Test für „Adventure Time“ teilzunehmen. Offensichtlich kam seine Arbeit sehr gut an, denn er durfte eine Episode für die Sendung kreieren. Nach dieser ersten Folge hat Thomas noch an einer weiterenEpisode mitgearbeitet. Bevor er bei der Serie anfing, hatte er noch nie Storyboards gezeichnet – es war außerdem sein erster Auftrag in der Animation.

Das besondere an der Arbeit für „Adventure Time“ ist, dass die Serie „storyboard driven“ ist. Dasbedeutet, die Zeichner bekommen nur ein kurzes Skript und haben viele Freiheiten die Episodennach ihrem Belieben zu gestalten. Das wird noch dadurch verstärkt, dass in der Animation meistder Zeichenstil einzelner Storyboarder übernommen wird. So wirkte die Serie immer lebhaft undhat einen festen Platz in der Independent-Comic-Szene in den USA erlangt. An „Adventure Time“ konnte Thomas von Deutschland aus arbeiten. Der Kontakt zu denProduzenten und anderen Animatoren läuft über Skype und Email. Hier bestätigte sich aucherstmals die Effizienz des digitalen Arbeitens. Die Seiten direkt in der Datei anzufertigen spartgegenüber dem scannen sehr viel Zeit!Neben Animation und Comics arbeitet Thomas auch als Game Designer. Für das Spiel „MiracleMerchants“ entwarf er alle Figuren, Hintergrunde und Zubehöre. Das Spiel ist als App für Androidund IOS konzipiert – es wurde 2017 fertiggestellt. Außerdem arbeitet Thomas Wellmann als Illustrator, unter anderem für „Dein Spiegel“, „Slanted“ oder „SZ Familie“. So breit aufgestellt ist Thomas’ Arbeit, sie ist vielseitig und bunt – wie sein Vortrag für Spezial Material!Es war toll von ihm Einblicke in die unterschiedlichen Lebenswege und Möglichkeiten einesIllustrators zu bekommen.Hier könnt Ihr seine großartigen Arbeiten anschauen: www.thomaswellmann.eu